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Rezension: Nicht schon wieder ein Vampir

Autor: Tate Hallaway
Titel: Nicht schon wieder ein Vampir
Verlag: LYX
ISBN: 978-3-8025-8284-4
Ausgabe: Taschenbuch, broschiert
Umfang: 351 Seiten

Kurzbeschreibung

Auf der Flucht vor der Kongregation des Vatikans (einer Neugründung der Inquisition, die Jagd auf Hexen macht) ist Garnet Lacey im kleinen verschlafenen Madison untergetaucht und geht dort ihrer Arbeit als Geschäftsführerin eines kleinen Ladens für Zaubereiutensilien nach. Als eines Tages wie aus dem Nichts ein merkwürdiger Kunde vor ihr steht und um eine bei Neumond geernteten Alraune bittet.

Aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten fällt es Garnet natürlich sofort auf, dass dieser Kunde keine Aura hat, und dass das nur eines bedeuten kann: der fremde Mann mit dem ungewöhnlichen Namen Sebastian von Traum ist ein Untoter!

Und als ob dieser Umstand nicht schon ausreichend wäre, tauchen plötzlich die Häscher des Vatikans in Madison auf. Eben diese Agenten, denen sie mit Mühe entkommen ist und die nun Sebastian zum Ziel haben.

Die Ereignisse überschlagen sich und Garnet wird mit voller Wucht von ihrer Vergangenheit eingeholt. Gemeinsam mit Sebastian flieht sie vor den Agenten des Vatikans und kommt hinter das Geheimnis des gut aussehenden Untoten.

Garnet muss sich aber auch ihren inneren „Dämonen“ stellen und dann tauchen noch ihr Exfreund und der Sohn von Sebastian in Madison auf - und beide sind nicht menschlich…

Inhalt

Der Hintergrund des Covers ist in Orangetönen mit magischen Ornamenten gehalten. Im Vordergrund sitzt eine hübsche Hexe in einem schwarzen Kleid und roten Haaren im Schneidersitz auf einem Tresen, ein Buch auf ihrem Schoß aus dem schwarze Fledermäuse fliegen. Das Cover ist in Gestaltung und Farbe sehr ansprechend, hat mit dem Inhalt aber nur wage zu tun. Denn bei der attraktiven Hexe kann sich nicht um die Hauptprotagonistin handeln, da diese schwarze Haare hat. Auf dem Wort „Nicht“ aus dem Titel ist eine Katze abgebildet, dem Schutzgeist guter Hexen und vielleicht das Abbild von Garnets Kater Barney.

Das Buch beginnt mit einer halben Seite Prolog. Einer kurzen Rückblende auf einen Augenblick des Lebens der Protagonistin Garnet Lacey. Und dem Grund, warum sie ihr altes Leben kurzerhand zurück lassen und nur mit den Kleidern am Leib fliehen musste. Ganz untypisch befindet sich der Prolog auf der linken Seite im Buch.

Mit dem ersten Kapitel steigt die Autorin dann direkt in die Geschichte ein und erspart dem Leser dadurch lange Einführungsreden.

Die Hauptprotagonistin ist Garnet Lacey. Eine junge und moderne Frau und Hexe – dem Übersinnlichen gegenüber aufgeschlossen. Doch ist sie auch ein vorsichtiger Mensch, der aufgrund seiner Vergangenheit immer mit der Aufspürung rechnen und Sorge um das eigene Leben haben muss.

Als Agenten die Hexen ihres damaligen Zirkels töteten, rief sie die Göttin Lilith an, die ihr zwar geholfen, sich seither aber in ihrem Körper eingenistet hat. Dem Blutbad der Agenten war ein zweites Blutbad gefolgt. Seit dieser Zeit sind ihr die Vatikanagenten auf den Fersen.

Aber auch den Körper mit einer Göttin zu teilen, gestaltet sich an vielen Stellen als schwierig, denn mehr als nur einmal übernimmt Lilith die Kontrolle über Garnet. Überdies verfolgt Lilith ihre ganz eigenen Pläne.

Etwas chaotisch veranlagt ist Garnet eine sympathische Figur, mit der man sich teilweise identifizieren und daher bei der Handlung mitfiebern kann. Allerdings waren für mich ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar. Und gerade bei der Protagonistin hätte ich mir etwas mehr Tiefe für die Figur gewünscht.

Sebastian von Traum ist der männliche Hauptpart des Werkes. Gut aussehend mit einem Hang für Magie hat er nur einen entscheidenden Nachteil – er ist ein Untoter.

Doch trotz ihrem Wissen ist es Garnet nicht möglich zu sagen, was er genau ist. Ein Vampir kann er nicht sein, denn er hat eine sonnengebräunte Haut und hält sich im Tageslicht auf und ein Zombie kommt auch nicht in Frage, dafür sieht er zu „normal“ und „lebendig“ aus.

Als Garnet unglückseliger Weise Kontakt mit einer Agentin des Vatikans hat und erkennt, dass diese hinter Sebastian her ist. Versucht sie ihn zu warnen. Dabei kommen sich Sebastian und Garnet Näher und verbringen eine Nacht miteinander. Doch neben der Magie, die Sebastian betreibt hat auch er noch ein anderes und dunkleres Geheimnis und ein Teil davon steht am nächsten Morgen in der Küche von Sebastians Haus – sein Sohn Matyas.

Den Gegenpart übernehmen die Agenten des Vatikans, wobei diese kein eigenes Gesicht bekommen und eigentlich nur als stetige „Gefahr“ über Garnet und Sebastian schweben, die sie zum Handeln zwingt; wenn auch der Agentin und dem Sensitiven des Teams etwas mehr Aufmerksamkeit zu teil wird.

Zum anderen übernimmt den Gegenpart der Sohn Matyas, der gegen alle Gesetze der leibliche Sohn von Sebastian ist. Die Mythologie hat für diesen Fall auch eine passende Kreatur, den so genannten Dhampir.

Obwohl Matyas schon Jahrzehnte alt ist, bleibt er äußerlich immer 16 Jahre alt und auch sein Charakter lässt sich mit dem eines Teenagers gleichsetzten. Er ist aufsässig, unverschämt und feindselig, wobei seine Lebenstragödie mein Mitleid erregt und sein Verhalten auf eine Weise auch verständlich macht.

Wirklich böse Züge kann ich eigentlich nicht entdecken. Man könnte sagen, er ist ein Opfer der Umstände.

Für mich fragwürdig bleibt die Figur Parrish. Der Exfreund von Garnet trägt zur eigentlichen Geschichte nicht bei und verführt die Autorin zu eigenartigen Inhalten; so verdient Parrish sein Geld Beispielsweise mit Prostitution.

Auch die Beziehung der Protagonistin Garnet zu Parrish ist nicht wirklich klar. Erst ist es nur ihr Exfreund, dann flüchtet sie sich in sein Bett, obwohl sie Gefühle für Sebastian hegt. Dann vertraut sie ihm – aus mir unerklärlichen Gründen – ein wichtiges Buch an, dass sie dann einfach so wieder zurückbekommt. Für mich ist die Figur unausgereift und seine Position bleibt unklar. 

Die einzigen wirklichen Lichtgestalten in der Geschichte bleiben die beiden Randfiguren und Menschen Izzy und William. Selbstlos und charakterstark, helfen sie Garnet in gefährlichen Situationen mit dem Übernatürlichen ohne „Wenn und aber“.

Den witzigen Part übernehmen zum einen der Kater von Garnet und der Poltergeist Benjamin. Barney der Kater reagiert allergisch auf Magie (bzw. tut er nur so) und bekommt jedes Mal wenn Garnet Magie ausübt, einen theatralischen Hustenanfall. Benjamin ist der Poltergeist im Haus von Sebastian und damit auch unfreiwilliger Beschützer des Untoten. Zu dem ist Benjamin etwas mordlüstern veranlagt.

Die Fantasyelemente hat die Autorin gut in die Geschichte gewoben – Hexen, Vampire, Dhampire, Geister. Der Leser trifft auf eine ganze Reihe mystischer Wesen, die in der Welt von Tate Hallaway dem Menschen jedoch sehr ähnlich sind. Gerade das Bild der Vampire hat sich in der letzten Zeit in der Literatur stark gewandelt, so auch hier - die Blutgier steht nicht mehr im Mittelpunkt. Der Vampir Sebastian kann bei Tageslicht umherwandeln, geht einer geregelten Arbeit nach und ist sogar von der Sonne gebräunt. Er kann kochen und hat ein Kind.

Die Geschichte ist flüssig und aus der Ich-Perspektive von Garnet geschrieben. Wenn von ihrem „zweiten Ich“ die Rede ist, also von der Göttin Lilith – taucht diese als SIE in Großbuchstaben auf den Seiten auf. Eine wirklich schöne Idee, wenn man Spannung und Dramatik erzeugen möchte. Allerdings bleibt Lilith während der Handlung doch recht friedlich, denn der Diebstahl eines Buches ist für eine Göttin eher unspektakulär und auch die Besitzergreifung des Körpers von Garnet wird so nebenher erzählt. Große und gefährliche Taten von ihr erfährt der Leser nur als Erinnerungen von Garnet.

Die Handlung ist nett und mit vielen Ereignissen gespickt, die für mich jedoch stellenweise etwas fragwürdig waren, wie Bsp. die tote oder doch nicht tote oder wie auch immer (genaues bleibt ungeklärt) Frau bzw. Exfrau von Sebastian. Es bleibt bis zum Ende offen, was genau mit ihr ist und ob sich ihr Zustand in irgendeiner Weise ändern lies/lässt.

Für mich waren die erotischen Szenen unnötig, aber sauber geschrieben. Das Niveau war weder übertrieben verhalten, noch ordinär. Was mich ein bisschen gewundert hat war die Tatsache, dass Garnet innerhalb eines Tages mit zwei verschiedenen Männern schläft. Das ist für mich an dieser Stelle unlogisch und lässt die Hauptfigur an Sympathie verlieren. Eine genauere Beschreibung der Gefühlswelt von Garnet fehlt, so dass man sich fragt warum sie das wohl tut.

Eine wirkliche Liebesgeschichte ist das Buch nicht, da trotz einiger romantischen Anwandlungen die großen Gefühle fehlen. Heiße Leidenschaft und Schmetterlinge im Bauch konnten mich nicht erreichen.

Verwirrend war auch die Frage, ob Vampire in der Welt der Autorin nun geheim sind oder nicht. Denn auf der einen Seite weiß zwar niemand etwas von deren Existenz, auf der anderen Seite aber prostituieren sich Vampire in dem sie Menschen ihren „Biss“ verkaufen und es etliche Menschen gibt, die danach süchtig sind und somit sehr wohl von deren Existenz wissen.

Zu dem hat die Geschichte einige Längen. Gerade am Anfang dauert es, bis sich Spannung entwickelt. Außerdem ist die Handlung an einigen Stellen vorhersehbar und die große Überraschung bleibt aus. Weiter ist die Story an vielen Stellen in sich unlogisch und einige Zusammenhänge Bsp. die Einführung von Garnets Exfreund fragwürdig.

Auch bleiben einige Fragen unbeantwortet, die aber in späteren Werken sicher noch aufgeklärt werden, denn bei „Nicht schon wieder ein Vampir“ handelt es sich um den Auftakt einer neuen Buchreihe. Bsp. Was mit der Frau von Sebastian nun passiert, ob Garnet und er ein Paar werden, was mit Matyas geschieht, ob Garnet Lilith irgendwann los wird und und und.

Als Bonus bekommt der Leser im Buch Ausflüge in die Astrologie, die für mich eher uninteressant waren und das Tempo aus der Geschichte genommen haben. Auch in den Kapitelüberschriften findet sich der Hang zur Astrologie der Autorin wieder, denn diese sind in „astrologische Häuser“ unterteilt.

Fazit

Unterhaltungslektüre mit Fantasyelementen für Nebenher. Gut geeignet für junge Erwachsene, die am Strand, an einem verregneten Nachmittag oder in der U-Bahn etwas Ablenkung suchen.

Zu guter Letzt

Das Werk ist kein außergewöhnliches Highlight, aber nett zu lesen. Band 2 „Beiß noch einmal mit Gefühl“ ist bereits erhältlich.

 

 

 
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