Rezi: Die mit dem Werwolf tanztTitel: Die mit dem Werwolf tanzt Autor: Mary Janice Davidson Umfang: 288 Seiten Ausgabe: broschiert Verlag: Lyx ISBN-10: 3802582160 ISBN-13: 978-3802582165
InhaltAntonia, die Seherin des Wyndhamer Werwolfsrudels, sieht den Untergang der Welt voraus. Morgan Le Fay, die Halbschwester des legendären König Artus, ist in Person der kalifornischen Ärztin Sara Gunn wiedergeboren worden. Derik Gardner bekommt darauf hin von seinem Rudel den Auftrag Sara zu töten und die Welt vor dem bevorstehenden Untergang zu retten. Nur zu gerne nimmt Derik diesen Auftrag an, hat er doch gerade einige Differenzen mit Michael – seinem Freund und Anführer des Rudels. Doch der Mord erweist sich schwieriger als gedacht, denn Derik verliebt sich in Sara und glaubt nicht daran, dass sie die Welt vernichten wird. Sara ist zu dem völlig ahnungslos über ihr „zweites Ich“ und glaubt nicht daran die Reinkarnation einer Magierin zu sein; noch viel weniger daran, die Welt zu zerstören. Gegen alle Widerstände machen sich Derik und Sara gemeinsam auf den Weg, um dem Geheimnis der Prophezeiung auf die Spur zu kommen. AufmachungDas Cover ist ansprechend gestaltet. Vor einem düsteren Mondbeschienenen Himmel ist eine schwarz gehaltene Silhouette einer Skyline zu erkennen, die mit den Konturen eines Werwolfes mit scharfen Zähnen und einem knallroten Auge verschmolzen ist. Im Vordergrund ist eine hübsche Lady abgebildet, die im kurzen Schwarzen lässig ein Martiniglas in der Hand hält. Cover, Titel und auch die Kurzbeschreibung des Inhalts auf der Rückseite des Buches laden zum Lesen ein. InhaltDas Buch beginnt mit einem Prolog der Geburt eines Mädchens. Die Geburt wird von zwei Fremden – einem Mann und einer Frau - beobachtet. Schon hier habe ich leider die erste Kritik anzubringen. 1 ½ Seiten Prolog, von denen rund eine Seite auf das Aussehen eines Mannes beschränkt ist und während des Werkes nicht aufgeklärt wird, um wen es sich hier eigentlich genau handelt – hätte man sich meiner Meinung nach auch sparen können. Ich habe natürlich eine Vermutung, wer der Mann sein könnte, aber letzen Endes spielt es überhaupt keine Rolle für die Geschichte. Das Hauptaugenmerk hätte hier eindeutig mehr auf dem Kind liegen müssen. Besser noch hätte ich Beispielsweise eine Rückblende zu Lebzeiten der Magierin Morgan Le Fay gefunden, für alle die mit der Artus-Legende nicht so vertraut sind. Nach dem Prolog folgt direkt die Geschichte ohne weitere Einführungen. Beim Lesen der ersten Kapitel ist es mir daher nicht immer leicht gefallen der Handlung zu folgen. Mehr als einmal fehlten schlicht Hintergrundinformationen. Wäre es ein Folgeband aus einer Reihe gewesen, hätten die Angaben zu den einzelnen Personen am Anfang eventuell ausgereicht. So ergab auch meine Recherche, dass es sich beim vorliegenden Werk eigentlich schon um den dritten Teil der Reihe handelt. Die beiden ersten „Love's Prisoner“ und „Jared's Wolf“ sind (noch?) nicht ins Deutsche übersetzt worden. Aufgrund der Tatsache, dass die Hauptgeschichte sehr kurz ist (rund 200 Seiten plus der Bonusgeschichte), wäre es sicher eine Überlegung wert gewesen alle drei Teile in einem Buch zu veröffentlichen. Die Handlung wird von der attraktiven Sara Gunn bestritten, welche die Reinkarnation der Magierin Morgan Le Fay sein soll. Einer Prophezeiung nach, ist es ihr bestimmt die Welt zu zerstören. Doch Sara weiß von nichts und es wird ihr ihre Bestimmung erst vom zweiten Hauptprotagonisten Derik offenbart. Sara ist sich auch ihrer magischen Fähigkeiten nicht bewusst. So gewinnt sie mehrmals im Lotto oder bekommt ein normalerweise kostenpflichtiges Mietfahrzeug für umsonst gestellt. Sie glaubt einfach nur sehr viel Glück im Leben zu Haben. Sara ist der Typ Frau, der sich nichts sagen und gefallen lässt und auch schon mal die Ellenbogen benutzt, um im Leben zu erreichen, was sie will. Derik Gardner ist der zweite Hauptcharakter. Unverschämt gut aussehend, schlagfertig und Werwolf. Er verkörpert das Gefährliche und das Abenteuer. Obwohl er von seinem Rudel den Auftrag erhalten hat die Zerstörung der Welt dadurch zu verhindern, in dem er Sara tötet, findet er schnell Gefallen an der widerspenstigen Frau und verliert sein Werwolfsherz an sie. Gemeinsam machen sie sich daran dem Geheimnis auf die Spur zukommen, warum Sara am bevorstehenden Weltuntergang die Schuld tragen soll und stoßen dabei auf eine Sekte, die sich „Artus Auserwählte“ nennt. Alle weiteren Figuren sind nur Statisten ohne eigene Persönlichkeit. Man erfährt nur sehr oberflächlich von ihnen, so etwa vom Rudelführer Michael Wyndham, seiner Frau Jeannie und seiner Tochter Lara, die später einmal das Rudel führen soll; Moira – der gute Geist des Rudels – und der Hellseherin Antonia, aufgrund derer Prophezeiung sich Derik auf den Weg macht, um Morgan zu töten. Mein persönliches „No go“ ist die detaillierte Beschreibung der Kleidung der Personen, während dessen der Charakter kaum/keine Beachtung erhält. Es ist für mich völlig belanglos, ob jemand schwarze oder weiße Socken trägt oder eine graue Krawatte. Dagegen hätte ich mir sehr viel mehr Tiefgang der einzelnen Charaktere gewünscht. Die Handlung ist sehr einfach gestrickt und schnell erzählt. „Mann verfällt dem Charme einer Frau und gemeinsam retten sie die Welt“ und leider genau in diesem Maße bleibt die Geschichte oberflächlich, mit platten Dialogen, ordinärem Bettgeplänkel (dem die Autorin zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hat) und nur wenig Spannung. Oftmals fehlt der „rote Faden“, denn viele Geschehnisse werden zusammenhanglos aneinandergereiht und tragen oftmals auch nicht zur eigentlichen Handlung bei. Auch die Vorhersehbarkeit und die vielen logischen Fehler in der Geschichte machen das Lesen nicht zum Vergnügen. Die auf dem Umschlag genannte Situationskomik war für mich auch nicht erkennbar. Außer einigen einfallslosen und für mich nicht lustigen Hundewitzen, wirkten alle anderen Dialoge gezwungen. Die Idee der Hundewitze über Werwölfe ist zu dem auch nicht neu. So bedient sich Beispielsweise auch Stephenie Meyers dieser „Komik“, allerdings mit deutlich mehr Erfolg. Als schlecht empfand ich auch den Stil der Autorin, die über mehrere Dialoge hinweg mit umgangssprachlichen Floskeln um sich wirft und jedem die gleichen Ausdrücke in den Mund legt, was den Umgangston und dadurch die Charaktere unglaubwürdig macht, denn ihr Lieblingswort „Jesses“ darf jeder Mal sagen. Die Dialoge bleiben wie alles andere oberflächlich und künstlich und lassen des Öfteren den Zusammenhang mit der Geschichte vermissen. Des Weiteren war mir die Sprache an vielen Stellen schlicht und ergreifend auch zu vulgär. Fantasy sollte sich das Werk nicht nennen dürfen, denn das Werwolfsein ist nicht von Belang und soll dem Leser nur suggerieren, dass der Hauptprotagonist „mächtig böse“ ist … oder hätte gewesen sein könnte, wenn etwas mehr Spannung in der Handlung gewesen wäre. Auch reiht die Autorin zwar viele Informationen über „ihre“ Werwölfe und Strukturen des Rudels aneinander, der Zusammenhang zur Geschichte bleibt aber auch hier völlig aus. Sie bedient sich dabei vieler Klischees, was ihre Darstellung des Übernatürlichen betrifft und zeigt dadurch deutlich, dass sie sich im Fantasygenre eigentlich nicht zu Hause fühlt. Die Tatsache, dass Sara Gunn die Reinkarnation von Morgan Le Fay ist, kommt den beiden Hauptakteuren nur dadurch zu Gute, dass sie unverhofft zu Geld und ein Auto kommen. Zwar recherchiert Sara in einer Szene die Geschichte von Morgan und hat anscheinend ein Essay über sie geschrieben, aber mehr als Andeutungen bekommt man von der Person, um die sich die Geschichte lt. Buchrücken dreht, nicht. Auch hier hatte die Autorin offenbar keine Muße, etwas besser die Magie zu recherchieren. Schade, denn hier hätte die Autorin dem Buch etwas mehr Tiefe verleihen können, anstatt den Hauptaugenmerk auf derbe Erotik zu legen. Hatte ich auf ein fulminantes Ende gehofft, um mich für die zähe Story zu entschädigen, wurde ich aber auch hier enttäuscht. Von dunkler Weltuntergangsstimmung war weit und breit nichts zu spüren. Auf wenigen Seiten stopft die Autorin wirre Inhalte zusammen, denen es sehr schwer war überhaupt zu Folgen. Die Rettung der Welt passiert eben mal so nebenher und ist kaum eine Erwähnung wert. Der Bonusstory braucht man auch weiter keine Beachtung zu schenken, dreht es sich auch hier wieder nur um ordinäres Bettgeplänkel. Deutlich besser wäre der Platz der Bonussstory genutzt worden, wenn sich die Autorin stattdessen um ein spannendes und durchdachtes Ende ihrer eigentlichen Geschichte bemüht hätte. Weiß ich normalerweise einen guten Schuss Erotik in einem Werk durchaus zu schätzen (wie es Beispielsweise Nalini Singh in ihrem Werk „Engelskuss“ untergebracht hat) fand ich die Erotikszenen in diesem Werk einfach nur ordinär und peinlich. FazitDie Idee hinter der Geschichte hätte ein sehr spannendes Werk werden können, allerdings war die Umsetzung nicht durchdacht. Die Recherche in übernatürlichen Dingen fehlte komplett und zu dem blieben sowohl die Handlung, als auch die Charaktere nur oberflächlich. Mir hat das Werk nicht gefallen und ich werde auch auf weitere Werke der Autorin zukünftig gerne verzichten. Zu guter LetztEinfachste Unterhaltungsliteratur, die jeder hätte schreiben können. Für mich ist es nicht verständlich, wie es das Werk auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft hat. |