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Interview mit Bernd Perplies

Frage 1: Was ist die eine Sache, die man unbedingt von Ihnen wissen sollte?

Ich bin ein Phantast – und habe Spaß dabei! Zu meinen Lieblingsfilmen zählen „Blade Runner“ und „Batman“, ich spiele Pen-&-Paper-Rollenspiele, etwa „Warhammer“ und „Witchcraft“, und meine Wohnung sieht aus wie eine Buchhandlung für Science-Fiction und Fantasy. Ich kann auch anders, wenn es nötig ist – aber im Herzen bin ich ein Phantast. :-)

Frage 2: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? War es schon immer eine Leidenschaft von Ihnen?

Ja, ich habe schon immer gerne geschrieben. Früheste Fantasy-Erzählungen datieren bis in die Grundschule zurück (zum Glück sind diese Werke heute verschollen), später folgten oft Kurzgeschichten, die von Rollenspiel-Abenteuern inspiriert waren, die ich mit Freunden spielte. Dass es so lange gedauert hat, bis ich endlich meinen Debütroman zu Papier gebracht habe, liegt wohl vor allem daran, dass ich jahrelang nicht das Durchhaltevermögen hatte, 300 und mehr Seiten zusammenhängenden Text niederzuschreiben. Ansätze hierzu gab es vorher allerdings schon einige.

Frage 3: Durch was lassen Sie sich zum Schreiben inspirieren? Haben Sie eine Muse?

Inspiration ziehe ich aus unterschiedlichsten Dingen: aus Filmmomenten, die sich mir eingeprägt haben, aus Situationen, die sich beim gemeinsamen Rollenspiel entwickeln, aus Gesprächen mit Freunden und der Beobachtung meiner Umwelt. Eine „Muse“, die meine Fantasie konstant beflügelt, habe ich keine, nein. Aber manchmal laufen mir „spontane Musen“ über den Weg, in dem Sinne, dass ich aus der zufälligen Begegnung mit Menschen Ideen für Geschichten oder für interessante Figuren einer möglichen Geschichte schöpfe. Einmal ist mir beispielsweise ein junges Mädchen aufgefallen, das durch seinen unglaublich roten Wintermantel aus einer Menge von grau-braun-schwarz gekleideten Schlechtwettergestalten geradzu herausstach – das war so ein Moment, aus dem ich sofort eine Mystery-Geschichte hätte beginnen lassen können. :-)

Frage 4: Zu welcher Tageszeit kommen Ihnen die besten Ideen zum Schreiben?

Ich bin jemand, der eher in den Abendstunden, als am frühen Morgen, schreibt, denn dann ist die Welt still draußen und niemand will etwas von mir. Wenn ich also einen Tag ganz dem Schreiben widme, beginnt das selten vor dem Mittagessen, endet aber durchaus nach Mitternacht. Sehr fruchtbar sind auch die Schreibsamstage, die ich mit einem Kollegen veranstalte. Dann treffen wir uns und jeder schreibt an seinem aktuellen Projekt. Das hat den Vorteil, dass man sich gegenseitig dazu verpflichtet, auch was zu tun. Wenn man alleine am Computer hockt, ist es allzu leicht, sich durch andere Dinge ablenken zu lassen.

Frage 5: Haben Sie schreibende Vorbilder? Wer ist Ihr Lieblingsautor und warum?

Uneingeschränkte Vorbilder habe ich keine, nein. Es gibt allerdings viele Autoren, deren Wirken mich in Teilen sehr beeindruckt, sodass ich diesen Teilaspekt durchaus erstrebenswert finde. Wolfgang und Heike Hohlbein beispielsweise bewundere ich für ihre frühen Jugendromane beim Ueberreuter-Verlag. An Tad Williams liebe ich seine unglaubliche Fähigkeit zur blumigen Sprache. Terry Pratchetts absurder Humor (in seinem Frühwerk) ist genau mein Ding. Und Autoren wie Timothy Zahn und Michael Stackpole beneide ich dafür, dass sie im „Star Wars“-Universum schreiben dürfen – meinem Lieblings-SF-Franchise. Aber ich sehe auch bei all diesen Schreibern ihre Schwächen (wohl eine Folge meiner jahrelangen Tätigkeit als Buch-Rezensent) – ich liege also niemandem ganz und gar zu Füßen.

Frage 6: Wie sehen Sie sich selbst und Ihre Arbeiten in der Zukunft?

Ich möchte natürlich weiter schreiben, solange es für meine Geschichten Leser gibt (ich habe ja gerade erst angefangen, diese neue, große Welt des Romanschreibens für mich zu erobern). Dabei sehe ich mich weniger als Autor dauerhafter Reihen. Ich finde es spannender, immer wieder neue Zeiten und Welten zu erforschen. So könnte ich mir Geschichten in vielen Genres vorstellen – sofern sie entfernt fantastisch sind. Das umfasst Mystery-Stories ebenso wie Science-Fiction, Steampunk wie Cyberpunk oder auch ganz wilde Genre-Crossover. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass ich jemals Krimis oder Gesellschaftsdramen schreiben werde; irgendeinen Knick in der Realität brauche ich immer, damit ich Spaß an einem Projekt habe.

Frage 7: Wieviel von Ihnen selbst steckt in Ihrem Titelhelden Tarean?

Das ist schwer zu beantworten. In seinen gedankenvollen Momenten ist mir Tarean sicher ähnlich, wenn es allerdings daran geht, mit einem magischen Schwert bewaffnet in die Welt hinaus zu ziehen, um einen Hexenmeister zu besiegen, ist er mir sowohl in Naivität als auch Mut um einiges voraus. Im Grunde habe ich mit Tarean eher einen Helden erschaffen, mit dem ich mich als jugendlichem Leser hätte identifizieren können, als versucht, ein Traum-Alter-Ego von mir auf Reisen zu schicken.

Frage 8: Was möchten Sie uns sonst noch mitteilen?

Ich würde gerne noch einen Dank an all die eifrigen Leseratten und Bücherwürmer da draußen loswerden. Denn gäbe es nicht so viele Menschen, die gerne lesen – in den letzten Jahren speziell Fantasy-Romane – würde es jungen deutschen Autoren wie mir viel schwerer fallen, in der Verlagslandschaft Fuß zu fassen.

 

Vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute.

 

 
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