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Rezension: Tarean - Sohn des Fluchbringers

Titel: Tarean - Sohn des Fluchbringers
Autor: Bernd Perplies
Verlag: Egmont LYX
Seiten: 352
Ausführung: Paperback, Klappbroschur
Preis: € 12,95
Erscheinungstermin: 18. August 2008
ISBN: 978-3-8025-8180-9

Kurzbeschreibung

Vor sechzehn Jahren wurden die Freien Reiche des Westens vom Heer des Hexenmeisters Calvas überrannt. Bei dem Versuch, den Hexenmeister aufzuhalten, machte sich der Ritter Anreon von Agialon unwissentlich zu dessen Komplizen, und sein Name ist seither mit einem Fluch beladen. Anreons Sohn, der junge Tarean, wünscht sich nichts sehnlicher, als den Namen seines verstorbenen Vaters reinwaschen zu können. Bewaffnet mit dem magischen Schwert Anreons, zieht Tarean aus, um gemeinsam mit dem Irrlicht Moosbeere, der Albin Auril und dem Werbären Bromm das Land von der Herrschaft des grausamen Hexenmeisters zu befreien...

Allgemeine Informationen

Mit "Tarean - Sohn des Fluchbringers" ist der neueste Streich in Sachen frische Fantasy aus deutschen Landen erhältlich. Die atemberaubenden, originell und unterhaltsam erzählten Erlebnisse des Jungen Tarean, der sich den Mächten des Bösen entgegenstellt, bilden den Auftakt zu einem Mehrteiler voller Abenteuer und Magie und sind ein packendes Erlebnis für alle Fantasy-Leser.

Weitere Infos unter: www.egmont-lyx.de und www.bernd-perplies.de

Inhalt

Der Prolog startet eindrucksvoll an jenem schicksalhaften Tag der letzten Schlacht des Bündnisses der Menschen und der Alben gegen den Hexenmeister Calvas – und damit ihrem letzten Tag als freie Völker. Kampfeslärm und Schlachtgetümmel umspielen das Kriegsgebiet, auf dem der mutige Ritter Anreon mit einem geheimen Auftrag in Mitten des feindlichen Heeres reitet, um den stärksten Widersacher in den Reihen des Hexenmeisters zu Bannen – den Grymvulf. Doch die gesprochene Formel aus dem Buch in seinen Händen, die den Wolf bannen sollte, entpuppt sich als mächtige strategische Falle des gegnerischen Hexenmeisters. Der Bannspruch kehrt sich ins Gegenteil und der Fluch verhilft dem Wolf zu mehr Macht und seinem Heer damit zum Sieg über das Bündnis. Der Name des Ritters, der eigentlich der Held der Schlacht werden sollte und durch die List des Feindes nun zu diesem Triumph verhalf, wird in den nächsten Jahren nur noch mit Schande ausgesprochen: Anreon von Agialon, der Fluchbringer.

Tarean (der Sohn des Fluchbringers) erblickt in eben jener tragischen Nacht das Licht der Welt - in der Nacht, in der sein Vater auf dem Schlachtfeld fiel. 16 Jahre später ist nichts mehr so, wie es zur Zeit seiner Geburt noch war. Die Völker leben in stetiger Angst, noch immer unterdrückt, versklavt und in Tyrannei unter der Herrschaft des Hexenmeisters Calvas. Nur wenige Bastionen konnten sich bisher ihrer Haut erwehren, darunter die Burg Dornhall im Almental. Dort unter der Obhut seiner Ahne Jannus von Bergen und ihres Gemahl Urias wächst Tarean dennoch behütet auf. Und wohingegen keiner seine Fragen über den Vater und dessen Taten zu beantworten bereit ist, wird er täglich daran erinnert von wessen schlechtem Blute er abstammt.

Als Wolflinge sein Heimatdorf Ortenruh überfallen, fasst Tarean zusammen mit dem ehemaligen Knappen seines Vaters Wilfert einen mutigen und verzweifelten Entschluss. Er will den Namen seines Vaters reinwaschen und zieht mit dessen Schwert in Richtung Osten, um den verhassten Hexenmeister zu töten.

Auf seiner Reise nach At Arthanoc (der Burg des Hexenmeisters) muss er mehr als einmal um sein Leben fürchten. Doch trifft er nicht nur auf Feinde auf seiner Fahrt; er erfährt viel über Freundschaft und Vertrauen. Seine neu gewonnenen Freunde stehen ihm tapfer zur Seite stehen, damit er sein Schicksal erfüllen kann - u. a. das Irrlicht Moosbeere, die Albin Auril und der Werbär Bromm.

Doch dann enthüllt der Hexenmeister einen neuen Verbündeten und der Plan Tareans scheint zum Scheitern verurteilt.

Figuren

Die Hauptfigur ist der Titelheld Tarean, der uns als neugieriger 16 – jähriger Junge vorgestellt wird und der sich aufgrund seiner Herkunft stets beweisen will. Zwar nimmt er mutig die Aufgabe auf sich seinen Vater zu rächen und damit dem absolut Bösen gegenüber zu treten, doch wird ihm erst während seiner Reise bewusst, was es wirklich heißt dieses Wagnis auf sich zu nehmen - um dann während der entscheidenden Schlacht festzustellen, dass es überhaupt nichts für ihn ändern würde. Ob er es noch rechtzeitig merkt, soll der Autor berichten. Mit seinen 16 Jahren ist Tarean noch unerfahren, was wir in den verschiedensten Situationen feststellen können. Seinem Alter entsprechend handelt er impulsiv und wo er die neu entdeckten Gefühle für seine weiblichen Gefährten einordnen soll ist im auch noch ein Rätsel. Er ist nicht der „Bauernsohn“ der plötzlich über Nacht zum perfekten Helden wird. Er hat seine Schwächen, trifft seine Entscheidungen spontan und dadurch auch nicht immer richtig. Aber gerade all das macht seine Person besonders glaubwürdig und liebenswert.

Anreon von Agialon ist Ritter unter dem Banner des Ordens der Kristalldrachen und der Vater von Tarean. Sein treues Schwert Esdurial (geschmiedet mit der alten Macht) hat er stets an seiner Seite. Anreon ist die Hoffnung der freien Völker im Kampfe am Drakenskal gegen den Hexenmeister Calvas und seine Schergen. Einem geheimen Auftrag verpflichtet reitet er mitten ins Schlachtgetümmel, um den Grimmwolf Einhalt zu gebieten. Der Plan schlägt fehl und er wird zum Fluchbringer.

Moosbeere ist ein winziges Frauenzimmer mit Flügeln, das Tarean aus der Sammlung eines Druiden befreit und das ihm fortan auf Schritt und Tritt folgt. Schon bald wird sie zu einer wichtigen Freundin des Titelhelden. Sie macht auch aus ihrer Verehrung für ihn keinen Hehl.

Auril ist eine Albin, die sich anfangs vermutlich als Zweckgemeinschaft, dann aber aus tief empfundenen Respekt und inniger Freundschaft mit dem Werbären Bromm zusammen getan hat und mit ihm gemeinsam durch die Lande streift. Beide treffen auf Tarean in einer brenzligen Situation und können ihm zur Flucht verhelfen. Als Mitstreiter für eine gemeinsame Sache, begleiten sie ihn in Freundschaft, aber auch Seite an Seite mit der Waffe in der Hand.

Calvas der Hexenmeister ist der böse Gegenpol. Mit einer List gegen die freien Völker (durch die Stimme von Anreon von Agialon) gelingt es ihm die entscheidende Schlacht für sich zu entscheiden und das Land zu versklaven. 16 Jahre später steht  Calvas dem Sohn des Ritters gegenüber, der seinen Vater rächen will.

Kapitelüberschriften

Prolog – Zeit der Wölfe
Das Leben im Zwielicht
Der Vogelmensch
Überfall der Wolflinge
Das Erbe des Vaters
Ein Irrlicht in dunkler Nacht
Zwei glorreiche Halunken
Flussfahrt mit Bär
Durch Feindesland
Die zwölf Zinnen
Astria
Über den Wolken
In lichtlosen Tiefen
Bei den Greifenreitern
Calvas
Die Schlacht um At Arthanoc
Epilog – Ein neuer Morgen

Meine Meinung

Die Konkurrenz auf dem Markt des Fantasy-Genres ist derzeit groß. Jedoch hat man nur selten ein anspruchsvolles Werk in den Händen, denn oftmals sind die Geschichten nur ein fader Abklatsch ihrer großen Vorbilder. Auch unsere „altbekannten“ Fantasyautoren liefern gerade keine Geniestreiche ab. Hat man als Leser ja auch immer die Bilder zweier großer Fantasy-Sagas im Kopf, die den Weg auf die Kinoleinwand gefunden haben.

Umso überraschter war ich beim vorliegenden Werk, das mich trotz scheinbar bekannter Fantasyinhalten erstaunen und begeistern konnte!

Wohingegen viele Autoren ihre Geschichten dermaßen eng an ihren großen Vorbildern anlehnen, hat es der Autor Bernd Perplies mit dem ersten Teil seiner Tarean Saga geschafft ganz eigene Wege zu beschreiten, auch wenn sich in seiner Geschichte Passagen finden, die einem wie „schon einmal gelesen bzw. gesehen“ bekannt vorkommen mögen (Bsp. ein leuchtendes Schwert). Viele Begebenheiten erscheinen einem bereits vertraut und auch die Storyline ist nicht ganz neu: Der Sohn, der auszieht, um den Namen seines zu unrecht beschuldigten Vater mit Hilfe von Freunden aus verschiedenen Völkern und einer mächtigen magischen Waffe, rein zu waschen.

Nichts desto trotz ist das Buch eines der besten in dieser Richtung des Fantasy Genres (man könnte zu dieser Richtung „Fantasy Mittelalter Roadtrip“ sagen), was ich die Ehre hatte in der letzten Zeit zu lesen. Sehr schnell wird man in seinen Bann gezogen.

Auf dem Cover ist eine Burg zu sehen, die wie aus einem Fels gehauen erscheint und sich unwirklich gegen den Himmel abzeichnet. Aufgrund der Farbwahl gehe ich davon aus, dass es At Arthanoc ist, die Burg des Hexenmeisters Calvas. Im Vordergrund ist ein junger Krieger abgebildet, der alleine seinem Schicksal entgegen eilt. Ein gelungener Vorgeschmack auf den Inhalt des Buches.

Und schon nach den ersten Sätzen ist der Leser mitten in der Geschichte, dem Kriegsschauplatz am Drakenskal, wo sich das Schicksal der freien Völker für viele Jahre entscheiden sollte. Der Sprung zu 16 Jahren später lässt einstweilen von ruhigeren Tagen anmuten, doch schnell wird dem Leser klar, dass diese Idylle nur ein schöner Schein ist, denn die nächsten Seiten stecken voll von Erwartung, Anspannung und dem Mitfiebern mit dem Titelhelden. Das Buch liest sich mit Spannung und der ständigen Frage: „Wie geht es weiter?“

Der Leser trifft auf altbekannte Geschöpfe des Fantasy-Genres neu in Szene gesetzt, hat aber auch die Ehre viele neue Geschöpfe kennen zu lernen, was dem Buch einen besonderen Reiz verleiht.

Sehr charmant, facettenreich und mit viel Feingefühl, Mut und Willensstärke hat der Autor seine zahlreichen Charaktere ausgestattet, die uns auf der Seite des Guten in der Geschichte begegnen. Gerne fiebert und leidet man mit ihnen auf ihrer Reise und den Aufgaben, die ihnen der Autor auferlegt hat. Nicht weniger Willensstärke jedoch beweisen, die in Wolfgestalt gepackten Widersacher, die den Geschöpfen auf der Seite des Guten stets auf den Fersen sind und ihnen oftmals auch einen Schritt voraus zu sein scheinen.

Glaubhafte, reizvolle Dialoge ziehen sich durch die Geschichte hinweg und machen das Buch lebendig. Auch Witz und Humor finden sich in den Gesprächen wieder und nicht selten muss man über Begebenheiten der Geschöpfe gerade zu schmunzeln.

Besonders schön finde ich die bildliche Sprache des Autors, mit zahlreichen lebendigen Beschreibungen, bezaubernden Redewendungen und Metaphern zu Ausführungen und Sinnesempfindungen der Charaktere, aber auch zur Beschreibung von atemberaubenden Landschaften, die durch die ausgewählten Worte des Autors vor dem inneren Auge in malerischen Glanze sichtbar werden. Bernd Perplies schafft in seinem Werk dadurch eine wunderschöne und faszinierende Atmosphäre. In mir ist schnell der Wunsch entbrannt mich ebenfalls auf den Rücken eines Greifen zu schwingen und die märchenhafte Landschaften unter mir hinfort ziehen zu sehen, während mir der Westwind durch die Haare weht. Kopfkino in Vollendung!

Auch stilistisch ist das Buch sehr schön geschrieben. Sieht man von teilweise sehr langen Sätzen ab, finden sich keine kompliziert zu lesenden Satzgebilde oder Wörter; die Phantasiebegriffe (wie Namen von Personen und Orten) sind problemlos lesbar bzw. sprechbar. Die Storyline ist gut durchdacht und hat keine unnötigen Längen oder Logikfehler, was Spannung von der ersten bis zur letzten Seite verspricht.

Zu dem verzichtet der Autor auf abschweifende Nebenhandlungen, sondern verbleibt bei der Geschichte um seinen Titelhelden. Was einerseits natürlich positiv ist, andererseits aber auch ein paar Backgroundinfos zu den Personen und der Welt an sich vermissen lässt.

Allerdings verspricht uns ein Satz auf dem Cover mehr von den Figuren zu erfahren, nämlich „Erster Roman einer großen Fantasy-Saga“ warum es durchaus sein kann, dass wir vom Leben einiger Figuren durchaus noch in einem späteren Teil mehr erfahren und der Autor in diesem nicht zuviel vorweg nehmen wollte. Wen es nun abschrickt gleich eine ganze Saga lesen zu müssen und deswegen erst gar nicht den ersten Teil lesen möchte, sei versichert, dass das Buch über eine in sich abgeschlossene Handlung verfügt und auch als Einzelwerk zu empfehlen ist.

Zu dem ist der Leser ist immer sehr Nahe am Geschehen und etwaiges „Insiderwissen“ ist nicht nötig, so dass sich das Buch gut der Zielgruppe Jugendliche und Erwachsene zuordnen lässt.

Der Schluss ist natürlich der Höhepunkt des Buches: dramatisch, energiegeladen und mit einer überraschenden Wendung. Wer glaubte den Schluss vorhersehen zu können sei hiermit gewarnt :)

Ein besonderes Highlight ist außerdem noch das Kartenmaterial der Welt rund um Tarean, das sich im inneren Teil des Einbandes findet.

Fazit

Zweifelsohne ist das Buch eine besondere Perle in einem momentan von Büchern des Fantasygenres überschwemmten Markt. Das von wundersamen Geschöpfen bevölkerte Land ist bis ins kleinste Detail bildreich ausgedacht. Das Werk hat mich dermaßen in seinen Bann gezogen, dass ich es innerhalb von nur zwei Tagen gelesen hatte, um zu wissen wie die Geschichte rund um Tarean und seine Mitstreiter weitergeht. Also absolut lesenswert!

Zu guter Letzt

Der Roman von Bernd Perplies ist ein tolles Debüt und prima geeignet für alle Fans des Fantasy-Genres. Sein Erstlingswerk kann sich sehen (und lesen) lassen und kann sowohl Neulinge, als auch eingefleischte Fans des Genres begeistern.

Dieses Buch macht Lust auf mehr und ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung! Ein aufstrebender und talentierter Fantasyautor dessen zukünftige Werke ich im Auge behalten werde!

 
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